Unser Diözesanpartron Hippolyt ist kaum bekannt - wir stellen ihn vor

Hippolyt wurde vermutlich um 170 n.Chr. im Osten des Römischen Reiches geboren, ab etwa 192 wirkte er als Presbyter wahrscheinlich in Rom. Der Schüler des Irenäus von Lyon gilt als der wichtigste westliche Kirchenvater seiner Zeit. 235 erlitt er in Sardinien den Märtyrertod. Ihm werden ua. eine Weltchronik bis zum Jahr 234 n.Chr., Bibelkommentare, die „Widerlegung aller Häresien“ und die Traditio Apostolica zugeschrieben, welche Einblicke in die damalige Kirche und in die Gebetstexte gibt. Nach dem heiligen Hippolyt ist die Stadt St. Pölten benannt.


Am 13. August feiert die Diözese St. Pölten ihren Patron, den heiligen Hippolyt – für viele ist er weitgehend unbekannt. Warum eigentlich?

Auer: Die große Hippolyt-Verehrung fehlt zwar, es sind auch nur wenige Kirchen in Österreich auf seinen Namen geweiht. Dennoch ist er vielen Menschen in unserer Diözese ein Begriff. Gerade in der Stadt St. Pölten findet man etliche Spuren von ihm – im Wappen des ehemaligen Chorherrenstiftes findet sich zum Beispiel sein Zeichen, das Y, und auf der Dreifaltigkeitssäule auf dem Rathausplatz ist er dargestellt. Auch in anderen europäischen Regionen - etwa im Elsaß – ist er durchaus beliebt. Auch die Kirchen des Ostens verehren ihn. Eine breitere Hippolyt-Verehrung gibt es wie gesagt hier nicht, auch Wunder, die seiner Fürbitte zugeschrieben werden, sind mir nicht bekannt. Für die meisten bleibt er sperrig. Wenn über ihn gesprochen wird, dann wirkt das oft als Geschichtevorlesung. Außerdem vertrat er manche theologische Ansichten, mit denen wir uns heute schwertun. Da er seine Werke auf Griechisch verfasst hat, wurden diese in Rom bald vergessen.

Dennoch haben Sie sich intensiv mit ihm befasst?

Auer: Hippolyt war ja durchaus wirkmächtig und gab unserer Landeshauptstadt und unserer Diözese seinen Namen. St. Pölten leitet sich schließlich von Sancti Yppoliti ab. Und als Rektor des diözesanen Bildungshauses St. Hippolyt habe ich ihn natürlich auch studiert.

Welche Bedeutung hat ein Diözesanpatron?

Auer: Der Diözesanpatron kommt aus dem mittelalterlichen Bestreben, dass man jemanden hat, der einen beschützt. Durch Reliquien wurde dieses Sicherheitsgefühl noch gestärkt. Andererseits trug und trägt ein diözesaner Schutzheiliger natürlich zur Identitätsstiftung einer Diözese bei.

Wie kam es eigentlich zur Verbindung Hippolyt und St. Pölten?

Auer: Um 800 wurde im heutigen St. Pölten ein Kloster gegründet – mit großer Wahrscheinlichkeit als Tochterkloster des bayrischen Klosters Tegernsee. Die Tegernseer-Gründer standen in Verbindung mit Abt Fulrad von St. Denis, von dem wir wissen, dass er verschiedene Reliquien ins Frankenreich brachte, sicherlich auch Reliquien des heiligen Hippolyt (um 765). Einen Teil davon gab er auf seinen Erbbesitz in Fulradsweiler im Elsaß. Der Ort bekam den Namen St. Pilt oder französisch St. Hippolyte. Ein anderer Teil kam in das Kloster an der Traisen. Wie verschiedene Urkunden zeigen, wurde der ursprünglich Traisma genannte Ort bald nach dem heiligen Hippolyt benannt: 799, 823 Traisma, 976 Traisima ad monasterium Sancti Yppoliti, um 1030 abbatia ad Sanctum Yppolytum, 1136 apud Sanctum Ypolitum, 1399 Sant Ypœlten und um 1650 S. Polid. Der Kloster- und Stadtpatron wurde 1785 bei der Errichtung der Diözese zum Diözesanpatron erwählt.

Spannend ist ja: Hippolyt war Gegenpapst und trotzdem ein Heiliger.

Auer: Viele frühchristliche Märtyrer wurden heiliggesprochen, dazu bedurfte es keines speziellen kirchlichen Aktes. Hippolyt verehrten die Gläubigen schon frühzeitig, für viele Kirchen und Klöster war es auch wichtig Reliquien von ihm zu bekommen. Ihn als ersten Gegenpapst der Geschichte zu bezeichnen, ist Sprechweise der heutigen Zeit und für die damalige Zeit nicht angemessen. Es gab in Rom eine zwiespältige Bischofswahl. Einer der beiden römischen Bischöfe, die jeweils einen Teil der römischen Christengemeinde als ihren Bischof anerkannten, war Hippolyt (der andere Pontian). Im Jahre 235 brach eine Christenverfolgung aus, die sich gegen die führenden Personen der Kirche gerichtet hat. So wurden auch Pontian und Hippolyt nach Sardinien zur Zwangsarbeit im Steinbruch verbannt, was einem Todesurteil gleichkam. Dort verzichteten beide auf ihr Bischofsamt. Damit war die Möglichkeit gegeben, einen neuen Papst zu wählen und die Einheit wieder herzustellen. Hippolyt ist also auch für die Ökumene von Bedeutung und bleibt aktuell.

Auch für den Gottesdienst bleibt er bedeutsam.

Auer: Ja, denn das Zweite Hochgebet der römisch-katholischen Kirche geht auf die Traditio Apostolica zurück, die als Werk des heiligen Hippolyt gilt. Allerdings kann man nicht mit absoluter Sicherheit sagen, ob dieses Werk tatsächlich von ihm stammt, da die Quellenlage sehr schwierig ist. Verständlich, denn unser Diözesanpatron lebte ja bereits im zweiten und dritten Jahrhundert.

Welche Bedeutung hat der hl. Hippolyt zusammenfassend für unsere Diözese?

Auer: Sein Name bleibt eng mit der Stadt und der Diözese verbunden. Weiters wird nur wenigen die „Ehre“ zuteil, dass sie im Hochgebet zu Wort kommen. Und mit der Überwindung des Schismas kurz vor seinem Tod hat er viel zur Einheit der Kirche beigetragen und ist so Vorbild im Bestreben, die Einheit der Kirchen und Christen zu fördern.

 

Text und Foto: Wolfgang Zarl

 

Wie St. Pölten zum Hl. Hippolyt kam

(Übernommen von Kirchenhistoriker Prälat Friedrich Schragl)

Es lässt sich vermutlich folgender Sachverhalt darstellen: Von Abt Fulrad von St. Denis wissen wir, dass er verschiedentlich Reliquien ins Frankenreich brachte, sicherlich auch Reliquien des heiligen Hippolyt (um 765). Einen Teil davon gab er auf seinen Erbbesitz in Fulradsweiler im Elsaß. Der Ort bekam den Namen St. Pilt oder französisch St. Hippolyte. Fulrad stand seinerseits mit den Brüdern Adalbert und Autkar in Verbindung, die der Sage nach auch Gründer von St. Pölten sind. Adalbert wurde erster Abt von Tegernsee. Dort sind ebenso wie in Salzburg Hippolytreliquien nachgewiesen. Eine wohlbegründete Tradition berichtet, dass von Tegernsee aus das Kloster St. Pölten gegründet wurde.

Vermutlich hat sich das Kloster Tegernsee, das eines der wohlhabendsten in Bayern war, 791 am Awarenfeldzug Karls des Großen beteiligt und bekam vom späteren Kaiser wie auch andere Klöster Güter im neu eroberten Land zugesprochen. Auf einem solchen Besitz in der ehemaligen Römerstadt Aelium Cetium errichtete es ein Kloster und stattete es mit Hippolytreliquien aus. Der Ort, der zunächst nach dem Fluss Traisma hieß, bekam schließlich den Namen St. Pölten: 799, 823 Traisma, 976 Traisima ad monasterium Sancti Yppoliti, um 1030 abbatia ad Sanctum Yppolytum, 1136 apud Sanctum Ypolitum, 1298 Sand Pölten.

Es ist anzunehmen, dass das Kloster in St. Pölten um 800 errichtet wurde, Hippolyt war der Patron des Klosters und der Klosterkirche. Bei der Errichtung der Diözese St. Pölten 1785 wurde der hl. Hippolyt zum Diözesanpatron erwählt.

 

Bild: Ordinariatskanzler und Hippolyt-Kenner Gottfried Auer zeigt die Reliquie (Kopf) am Hochaltar im St. Pöltner Dom.